Interview mit Herrn Stelkens, CEO WE group
Das EBN beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Personenschutz. Aus diesem Grund haben wir heute ein Interview mit dem CEO, Volker Stelkens, der Firma Germany WE SECURE & PROTECT Ltd. & Co. KG geführt, um von ihm wichtige Informationen über Dienstleistungen im Personenschutzsektor zu erhalten.
EBN: Herr Stelkens, wie lange sind Sie bereits persönlich im Sichertheitsgewerbe tätig und was hat Sie zu dieser Berufswahl bewegt.
WE: Ich komme ursprünglich aus einer Landesbehörde und war zuvor bei der Bundeswehr. Inzwischen bin ich incl. dieser Behördenerfahrungen seit über 25 Jahren in Bereichen rund die Sicherheit aktiv. Ich hatte als Beamter nicht genügend Weiterentwicklungsmöglichkeiten und in der privaten Wirtschaft konnte ich mein Wissen an geeignete Sicherheitskräfte weitergeben. Mich reizen die Bewältigung neuer Anforderungen und der stetig wechselnde Einsatz im Zusammenhang mit dem stetig steigenden Sicherheitsbedürfnis der Menschen.
EBN: Bitte beschreiben Sie Ihren persönlichen Werdegang im Sicherheitsgewerbe, damit unsere User einen besseren Eindruck von Ihnen und Ihren Qualifikationen erhalten.
WE: Oh, mein Lebenslauf ist lang und ging in einige Richtungen, die erst im Laufe der Zeit sich zu einem Gesamtwerk zusammenfügten. Mit 19 Jahren ging ich zur Bundeswehr, war für 4 Jahre im Sanitätsdienst und leitete zuletzt für zwei Jahre einen Sanitätstrupp einer Flugabwehrraketen-Einheiten in der Luftwaffe. Während dieser Zeit machte ich zahlreiche Ausbildung in Sicherung, Wache und Krankenpflege im europäischen In- und Ausland bis hin zum Spezialisten für Notfallmedizin und Anästhesie. Nach der Bundeswehrzeit war ich zunächst als Versicherungsberater für zwei Jahre im Außendienst, wobei ich ein Jahr den Verkauf und den Umgang mit Menschen lernte. Ich begann in 1985 im Strafvollzug des Landes NRW als Angestellter und machte meine Laufbahnprüfung zum Justizvollzugsbeamten. Bereits nach einem Jahr wurde ich auf Grund meiner Vorqualifizierungen vom Justizminister als hauptamtliche Lehrkraft an die Justizvollzugsschule berufen. Zusätzlich war ich Berater für Sport im Strafvollzug und als Dozent beim Landessportbund tätig. An der JV-Schule hatte ich u.a. die Aufgaben der Ausbildung neuer Justizvollzugsbeamter in den Fächern Gesundheitslehrer, Erste Hilfe, Sport, Selbstverteidigung. Ich war dort der Waffenwart und Schießausbilder. Darüber hinaus bildete ich mit einem kleinen Team von Fachleuten Spezialeinheiten in der „Erstsprecherschulung“ und im Beendigen von Geiselnahmen aus. Dies geschah in ständiger Zusammenarbeit mit Spezialkräften aus Polizei und Bundesgrenzschutz. wo auch wir an Weiterbildungen teilnahmen. Im weiteren Verlauf als Dozent war ich in Venezuela und führte dort bei der lokalen Polizei Seminare in Zugriffstechniken für Einsatzeinheiten durch. Im Jahr 1997 bat mich die Bundeswehr als SFOR-Soldat für die NATO tätig zu werden. Ich war im Feldlazarett der Bundeswehr in Rajlovac b. Sarajewo und führte zusätzlich für die Soldaten im Feldlager (gepanzerte Einsatzverbände und Lufttransportverband) Lehrgänge in Deeskalationstechniken, Zugriffstechniken und Stressbewältigung durch. Ich half einem damaligen Freund beim Aufbau eines Sicherheitsdienstes, qualifizierte die Mitarbeiter und verhalf dem Unternehmen zu einem guten Standpunkt, ehe ich aus privaten Gründen zum eigenen Unternehmen wechselte. Nach meiner Ausbildung wollte ich aber auch unbedingt eine Erfahrung im Mittleren Osten machen und absolvierte dort eine sehr fordernde Ausbildung im Bereich Personenschutz, dies erweiterte meinen Horizont. Im Jahr 2003 wurde ein eigenständiges Tochterunternehmen mit der Zulassung zu Berufsdetektiven in Österreich gegründet. Im letzten Jahr kam die engl. Limited dazu. Derzeit ist nun in Berlin eine Niederlassung gegründet und in Abu Dhabi (VAE) führe ich seit Jahreswechsel 2005/06 mit Polizei und anderen Regierungsorganen sehr erfolgreich Gespräche zur Beratung und Ausbildung im Raum Middle East.
EBN: Sie haben derzeit Filialen in Great Britin und in Österreich. Was hat Sie zu diesen Filialgründungen veranlasst und gibt es Unterschiede im Dienstleistungsbereich/Kundenklientel?
WE: In England sitzt ein Finanzkonsortium, das die WE Group zur „international corporation for security and services“ mit aufbaut. Dort sind zurzeit die Aktivitäten unterstützender Natur, aber in Österreich ist die eigenständige Tochter WE SECURE & PROTECT, Austria bei Wien erfolgreich im Bereich Veranstaltungsschutz aktiv. Beweggrund für die Gründung der Gesellschaft in Österreich war in der Hauptsache um in Zukunft für Eventagenturen auch grenzübergreifend tätig zu sein, ohne in rechtliche Grenzbereiche zu kommen. Dies betrifft natürlich gerade auch das Führen von Waffen über die Grenzen hinaus. Veranstaltungs- und Konzertagenturen agieren häufig mit ihren Stars und Events in allen deutschsprachigen Ländern. WE kann zumindest legal Deutschland und Österreich aus einer Planungshand für den Kunden abdecken. Die Anforderungen an die Mitarbeiter sind in Deutschland und Österreich sehr unterschiedlich. Es gibt überall Rechtsvorschriften, aber keine IHK – Schulung oder Sachkundeprüfung in Österreich. Hier teilen sich die großen 4 den kleinen Markt und man kann nur zusätzlich als Spezialist existieren, ohne über den Preis verkaufen zu müssen. Von Österreich aus erschließen wir hervorragend den Markt zu den neuen EU-Beitrittsländern. Lange wurde in Österreich die Alarmintervention durch die Polizei kostenlos durchgeführt. Jetzt wird dieser Bereich seit kurzer Zeit auch kostendeckend durch die private Sicherheitswirtschaft erschlossen. Für uns ist das Kundenklientel eigentlich ähnlich gelagert und unser Portfolio gilt sowohl für D als auch für A.
EBN: Ihr Dienstleistungsspektrum erstreckt sich auf verschiedenste Bereiche des Bewachungsgewerbe. Wie rekrutieren Sie Ihr Personal?
WE: Unser Unternehmen war eines der ersten Ausbildungsbetriebe für die Berufsausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit. Von einigen IHK´en, wo ich auch als Dozent tätig bin, werden wir empfohlen. Anscheinend hat WE sich durch die bereits erfolgreichen Ausbildungsabschlüsse und die Qualität der Mitarbeiter einen Namen gemacht. Die Rekrutierung von Personal kommt auch noch aus „alten Seilschaften“ bei den Behörden und der Bundeswehr. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren bereits mehrfach in positiven Berichterstattungen im ital. RAI 1, SAT 1, VOX und RTL. Wir haben nicht sehr viele Festangestellte, aber die Zahl der Hochqualifizierten Nebenberufler steigt ständig, die Fluktuation ist sehr gering. Durch unsere gute Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden (BKA, LKA etc.) werden wir sehr oft weiterempfohlen.
EBN: Betreiben Sie interne Aus- und Fortbildungen oder hält sich jedes Mitglied Ihres Personenschutzkaders individuell auf dem neusten „Stand der Einsatzlehre“?
WE: Zur WE group gehören u.a. auch ForumSicherheit in OWL, ein anerkannter Bildungsträger und Fachbuchverlag sowie CONDORS security – Die Sicherheitsakademie. Die Dozenten stehen auch unseren Mitarbeitern in vielen Bereichen zur Verfügung. Jeder Mitarbeiter hat an mehreren Seminaren in unserem Unternehmen teilzunehmen und bestimmte „Scheine“ regelmäßig zu erneuern. Intern schulen wir Mitarbeiter, damit sich die Teams ständig finden und erneuern können, extern bieten sich der o.g. Bildungsträger und die Akademie an. Wir haben einen sehr guten Kontakt zu Spezialkräften und nehmen gelegentlich zusammen mit diesen Kräften Qualifizierungen vor. Ich habe die Einstellung für die Mitarbeiter und unsere Klienten: Stillstand ist Rückschritt – Wer aufhört zu lernen, hört auf besser zu sein. Führungskräfte sind gefordert Nachwuchskräfte mit in die Teams einzubauen, wo es geht und so die Arbeitsweisen zu schulen und die Zusammenarbeit mit Vorgehensweisen zu verbessern. Jeder soll bei WE die gleiche (Sicherheits-) Sprache sprechen. Wir schicken unsere Mitarbeiter zeitweise auch zu Kooperationspartnern bzw. lassen diese auch an Weiterbildungen bei der Berufsgenossenschaft teilnehmen.
EBN: Laut Ihrer Werbung betreuen Sie im Personenschutzbereich auch Klienten auf Geschäftsreisen. Erstreckt sich diese Dienstleistung auch auf national übergreifende Aufträge? Wie sind Ihre Erfahrungen mit Sondergenehmigungen bei internationalen Einsätzen
WE: Ja, wie bereits gesagt haben wir durch unsere Niederlassungen in mehreren Ländern bzw. durch die Repräsentanz in VAE die Möglichkeit die Klienten rund um die Uhr zu betreuen. Wir können so von der Wohnung bis zum Geschäftstermin die Kunden begleiten. Da wir international die gleichen Ablaufprozesse haben, könne Team unsere Klienten in Dubai in den Flieger setzen und in Frankfurt oder Wien in Empfang nehmen. Für zahlreiche Vorstände stellt WE zusätzlich die Vorstandsfahrer, die ebenfalls eine Personenschutzqualifizierung besitzen müssen. Innerhalb von Deutschland kann bundesweit z.B. das Personal aufgefrischt werden. Eine genaue Planung und Durchführung der Klientenvorhaben werden zentral koordiniert und überwacht. Es gibt so genannte Reiseteams und Locals mit dem dementsprechenden Regional-Know-How. so maximieren wir den Nutzen und die Effektivität und minimieren auch die Personalkosten für Nachzuführendes Personal.
EBN: Derzeit und in jüngster Vergangenheit kam es generell im Sicherheitsgewerbe im Hinblick auf die Erteilung eines Waffenscheins für Personenschutzaufträge immer wieder zu Problemen. Laut Aussagen vieler Mitglieder erschweren die Ämter Genehmigungen und neigen dazu, trotz ausreichender nachweisbarer Qualifikation und Sachkundigkeit, generell nur noch temporäre Waffenscheine zu genehmigen. Können Sie uns über Ihre speziellen Erfahrungen in diesem Bereich Informationen geben?
WE: Da sprechen Sie einerseits ein leidiges Thema an, wo vielen Mitbewerbern Aufträge entgehen, weil es zu lange dauert, bis die zuständige Behörde die Bedürftigkeit geklärt hat. es gibt einige Waffenscheinhasser in den Polizeiverwaltungen, die es allen sehr schwer machen. Andererseits gefällt mir die erschwerte Praxis, denn ich habe schon zu viele Personenschutzrambos kennen gelernt, die in meinen Augen mit einer Waffe eine Gefahr für das Umfeld darstellen würden. In Österreich ist die Rechtslage da etwas anders. Es ist nicht leicht die Zulassung zum Berufsdetektiven zu bekommen. Wenn diese Genehmigung aber erteilt wurde, dann kann diese Person auch einen Waffenpass beantragen und erhält diesen in aller Regel auch. In Deutschland versuchen einige Sicherheitsdienste Ihre Waffenscheine für GuW dann auch im P-Schutz zu nutzen. dies ist rechtswidrig, aber leider oft geübte Praxis.
EBN: Ein weiterer interessanter Punkt in Ihrem Dienstleistungsspektrum bezieht sich unter dem Menüpunkt Personenschutz auf den Bereich „Kid-Guarding“! Können Sie uns und unseren Usern hierüber weitere Informationen geben, auch unter Berück-sichtigung des allgemeinen Bedarfs in Deutschland hierzu? Welches Personal wird für diesen Bereich gewählt und gibt es Unterschiede zu einer „normalen“ Personenschutzausbildung?
WE: Schauen Sie die Meldungen in den Medien an. Immer häufiger werden Kinder Ziel von Angriffen gegen die sexuelle Selbstbestimmung oder werden gekidnappt. Für diesen Bereich setzen wir speziell geschulte Personal ein, das sowohl pädagogisches als auch Sicherheits-Know-How besitzt. Bei WE machen dies oft Frauen. Sie haben mütterliches Gespür, sind unauffällig bei der Kinderbegleitung und reagieren sensibel auf Störungen. Die Tätigkeit als Kid-Guard ist sehr beliebt bei Klienten aus dem arabischen und südländischen Raum, wo der Sohn als Familienerbe gesehen wird und besonders schützenswert ist. In Europa sind die anfragen derzeit noch sehr beschränkt und beginnen meist erst dann, wenn es nicht mehr unsere Aufgabe sondern die der Polizei sein sollte. Ich bin mir sicher, dass der Bedarf in Europa in den nächsten Jahre rapide steigen wird.
EBN: Personenschutz ist generell ein höchst sensibler Bereich. Ist es im Rahmen Ihrer bisher durchgeführten Aufträge schon zu Zwischenfällen gekommen?
WE: Ja. Wenn dies von der Folgewirkung zwar lächerlich war, so habe ich mit einem Übergriff auf einen Klienten sehr viel gelernt. Information und Wissen um und über den Klienten sind extrem wichtig. Ich habe auf einem Konzert die Aufgabe zum Künstlerschutz gehabt und musste den Sänger „Dieter Thomas Kuhn“ während seiner Auftritte durch die Menge begleiten. Plötzlich griff eine weibliche Hand aus dem Menschenpulk dem Sänger an die Brust und entriss ihm ein Bündel Haare. Ich wollte eingreifen, aber da hielt mich der Star zurück. Er trug, mir nicht bekannt, aufgeklebte Brusthaare und diese „Behandlung“ war üblich und gewollt. Bei einem anderen Auftritt eines Weltstars stürzte die Sängerin von der Bühne. Dies ist in der Wirkung nicht eklatant, aber für mich waren dies einschneidende Erlebisse. anders waren die Eindrücke während meiner aktiven Beamtentätigkeit, da musste ich leider mehrfach Schwerverletzte und Tote sehen.
EBN: Diese bisher erhaltenen Infos hören sich sehr interessant an. Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung des Personenschutzsektors in Deutschland und international ein?
WE: Die Perversion des menschlichen Hirns und die steigende Gewaltbereitschaft, inzwischen auch bereits mit Selbstmordattentätern (Madrid), nimmt immer mehr zu. Das subjektive Schutzbedürfnis steigt ebenfalls. Der gesamte Sicherheitsmarkt ist im Wandel. weg von Preisdumpern – hin zu Qualität. Der Bedarf wird weiter steigen. Behörden werden bestimmte Aufgaben abgeben oder Unterstützung von „Privaten“ buchen, da die öffentlichen Säckel leerer werden. International boomt der Markt und der Bedarf an qualifiziertem Personal. Besonders für Frauen wird es in diesem Sektor viele Nachfragen geben.
EBN: Was würden Sie unter Berücksichtigung der Ausbildung sowie späterer „Verwendungsmöglichkeiten“ als erfahrener CEO Menschen raten, die den Job eines Personenschützers erlernen und ausüben wollen?
WE: Schaut Euch Bodyguard mit Withney Youston und Kevin Kostner als Spielfilm an und träumt nicht von solchen Einsätzen. Nur wer weiterhin den Zusammenhang mit der Basis im Sicherheitsgewerbe kennt wird gut sein. Die Aufträge sind sehr begrenzt und nicht jeder kann nach einer Ausbildung sofort in diesem Bereich tätig werden. Man sollte froh sein als zusätzliches Rad in einem Team mitlaufen und lernen zu dürfen, ehe man einem P-Schutz Team fest angehören darf. die meisten als P-Schutz Auftrag bezeichneten Job sind „nur“ im Bereich V.I.P.-Schutz angesiedelt, aber wertvoll für die persönliche Erfahrung. Man kann nicht durch einen einzigen Wochenlehrgang oder einem Kurzseminar Personenschützer werden. Dies wird man erst im Laufe von vielen Jahren, wo stetiges Lernen angesagt ist.
EBN: Abschließend würden wir gern noch Ihre Meinung sowie konstruktive Kritik zu einer Online-Personenschutzplattform wie dem EBN hören.
WE: Eine zentrale Anlaufstelle für Interessierte, Unternehmen und Klienten halte ich für sehr wichtig. Der Einbau eines Informationsforums zum Meinungsaustausch würde diese Plattform noch bereichern. EBN ist eine führende Quelle für Anbieter und Schulen sowie möglichen Klienten.
EBN: Wir danken Ihnen, dass Sie uns einen Einblick in den Bereich eines Personenschutzdienstleisters sowie speziell in Ihr Unternehmen gewährt haben und wünschen Ihnen und Ihrem Unternehmen weiterhin viel Erfolg.
WE: Ich danke, dass ich Ihnen Fragen beantworten durfte. Ich freue mich immer wieder, wenn sich Menschen für unser Berufsbild interessieren. Ich werde auch weiterhin EBN als eine führende Plattform im Bereich Personenschutz empfehlen, denn ich bin von der Qualität und den Inhalten immer wieder sehr begeistert.
EBN: Herr Stelkens, wie lange sind Sie bereits persönlich im Sichertheitsgewerbe tätig und was hat Sie zu dieser Berufswahl bewegt.
WE: Ich komme ursprünglich aus einer Landesbehörde und war zuvor bei der Bundeswehr. Inzwischen bin ich incl. dieser Behördenerfahrungen seit über 25 Jahren in Bereichen rund die Sicherheit aktiv. Ich hatte als Beamter nicht genügend Weiterentwicklungsmöglichkeiten und in der privaten Wirtschaft konnte ich mein Wissen an geeignete Sicherheitskräfte weitergeben. Mich reizen die Bewältigung neuer Anforderungen und der stetig wechselnde Einsatz im Zusammenhang mit dem stetig steigenden Sicherheitsbedürfnis der Menschen.
EBN: Bitte beschreiben Sie Ihren persönlichen Werdegang im Sicherheitsgewerbe, damit unsere User einen besseren Eindruck von Ihnen und Ihren Qualifikationen erhalten.
WE: Oh, mein Lebenslauf ist lang und ging in einige Richtungen, die erst im Laufe der Zeit sich zu einem Gesamtwerk zusammenfügten. Mit 19 Jahren ging ich zur Bundeswehr, war für 4 Jahre im Sanitätsdienst und leitete zuletzt für zwei Jahre einen Sanitätstrupp einer Flugabwehrraketen-Einheiten in der Luftwaffe. Während dieser Zeit machte ich zahlreiche Ausbildung in Sicherung, Wache und Krankenpflege im europäischen In- und Ausland bis hin zum Spezialisten für Notfallmedizin und Anästhesie. Nach der Bundeswehrzeit war ich zunächst als Versicherungsberater für zwei Jahre im Außendienst, wobei ich ein Jahr den Verkauf und den Umgang mit Menschen lernte. Ich begann in 1985 im Strafvollzug des Landes NRW als Angestellter und machte meine Laufbahnprüfung zum Justizvollzugsbeamten. Bereits nach einem Jahr wurde ich auf Grund meiner Vorqualifizierungen vom Justizminister als hauptamtliche Lehrkraft an die Justizvollzugsschule berufen. Zusätzlich war ich Berater für Sport im Strafvollzug und als Dozent beim Landessportbund tätig. An der JV-Schule hatte ich u.a. die Aufgaben der Ausbildung neuer Justizvollzugsbeamter in den Fächern Gesundheitslehrer, Erste Hilfe, Sport, Selbstverteidigung. Ich war dort der Waffenwart und Schießausbilder. Darüber hinaus bildete ich mit einem kleinen Team von Fachleuten Spezialeinheiten in der „Erstsprecherschulung“ und im Beendigen von Geiselnahmen aus. Dies geschah in ständiger Zusammenarbeit mit Spezialkräften aus Polizei und Bundesgrenzschutz. wo auch wir an Weiterbildungen teilnahmen. Im weiteren Verlauf als Dozent war ich in Venezuela und führte dort bei der lokalen Polizei Seminare in Zugriffstechniken für Einsatzeinheiten durch. Im Jahr 1997 bat mich die Bundeswehr als SFOR-Soldat für die NATO tätig zu werden. Ich war im Feldlazarett der Bundeswehr in Rajlovac b. Sarajewo und führte zusätzlich für die Soldaten im Feldlager (gepanzerte Einsatzverbände und Lufttransportverband) Lehrgänge in Deeskalationstechniken, Zugriffstechniken und Stressbewältigung durch. Ich half einem damaligen Freund beim Aufbau eines Sicherheitsdienstes, qualifizierte die Mitarbeiter und verhalf dem Unternehmen zu einem guten Standpunkt, ehe ich aus privaten Gründen zum eigenen Unternehmen wechselte. Nach meiner Ausbildung wollte ich aber auch unbedingt eine Erfahrung im Mittleren Osten machen und absolvierte dort eine sehr fordernde Ausbildung im Bereich Personenschutz, dies erweiterte meinen Horizont. Im Jahr 2003 wurde ein eigenständiges Tochterunternehmen mit der Zulassung zu Berufsdetektiven in Österreich gegründet. Im letzten Jahr kam die engl. Limited dazu. Derzeit ist nun in Berlin eine Niederlassung gegründet und in Abu Dhabi (VAE) führe ich seit Jahreswechsel 2005/06 mit Polizei und anderen Regierungsorganen sehr erfolgreich Gespräche zur Beratung und Ausbildung im Raum Middle East.
EBN: Sie haben derzeit Filialen in Great Britin und in Österreich. Was hat Sie zu diesen Filialgründungen veranlasst und gibt es Unterschiede im Dienstleistungsbereich/Kundenklientel?
WE: In England sitzt ein Finanzkonsortium, das die WE Group zur „international corporation for security and services“ mit aufbaut. Dort sind zurzeit die Aktivitäten unterstützender Natur, aber in Österreich ist die eigenständige Tochter WE SECURE & PROTECT, Austria bei Wien erfolgreich im Bereich Veranstaltungsschutz aktiv. Beweggrund für die Gründung der Gesellschaft in Österreich war in der Hauptsache um in Zukunft für Eventagenturen auch grenzübergreifend tätig zu sein, ohne in rechtliche Grenzbereiche zu kommen. Dies betrifft natürlich gerade auch das Führen von Waffen über die Grenzen hinaus. Veranstaltungs- und Konzertagenturen agieren häufig mit ihren Stars und Events in allen deutschsprachigen Ländern. WE kann zumindest legal Deutschland und Österreich aus einer Planungshand für den Kunden abdecken. Die Anforderungen an die Mitarbeiter sind in Deutschland und Österreich sehr unterschiedlich. Es gibt überall Rechtsvorschriften, aber keine IHK – Schulung oder Sachkundeprüfung in Österreich. Hier teilen sich die großen 4 den kleinen Markt und man kann nur zusätzlich als Spezialist existieren, ohne über den Preis verkaufen zu müssen. Von Österreich aus erschließen wir hervorragend den Markt zu den neuen EU-Beitrittsländern. Lange wurde in Österreich die Alarmintervention durch die Polizei kostenlos durchgeführt. Jetzt wird dieser Bereich seit kurzer Zeit auch kostendeckend durch die private Sicherheitswirtschaft erschlossen. Für uns ist das Kundenklientel eigentlich ähnlich gelagert und unser Portfolio gilt sowohl für D als auch für A.
EBN: Ihr Dienstleistungsspektrum erstreckt sich auf verschiedenste Bereiche des Bewachungsgewerbe. Wie rekrutieren Sie Ihr Personal?
WE: Unser Unternehmen war eines der ersten Ausbildungsbetriebe für die Berufsausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit. Von einigen IHK´en, wo ich auch als Dozent tätig bin, werden wir empfohlen. Anscheinend hat WE sich durch die bereits erfolgreichen Ausbildungsabschlüsse und die Qualität der Mitarbeiter einen Namen gemacht. Die Rekrutierung von Personal kommt auch noch aus „alten Seilschaften“ bei den Behörden und der Bundeswehr. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren bereits mehrfach in positiven Berichterstattungen im ital. RAI 1, SAT 1, VOX und RTL. Wir haben nicht sehr viele Festangestellte, aber die Zahl der Hochqualifizierten Nebenberufler steigt ständig, die Fluktuation ist sehr gering. Durch unsere gute Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden (BKA, LKA etc.) werden wir sehr oft weiterempfohlen.
EBN: Betreiben Sie interne Aus- und Fortbildungen oder hält sich jedes Mitglied Ihres Personenschutzkaders individuell auf dem neusten „Stand der Einsatzlehre“?
WE: Zur WE group gehören u.a. auch ForumSicherheit in OWL, ein anerkannter Bildungsträger und Fachbuchverlag sowie CONDORS security – Die Sicherheitsakademie. Die Dozenten stehen auch unseren Mitarbeitern in vielen Bereichen zur Verfügung. Jeder Mitarbeiter hat an mehreren Seminaren in unserem Unternehmen teilzunehmen und bestimmte „Scheine“ regelmäßig zu erneuern. Intern schulen wir Mitarbeiter, damit sich die Teams ständig finden und erneuern können, extern bieten sich der o.g. Bildungsträger und die Akademie an. Wir haben einen sehr guten Kontakt zu Spezialkräften und nehmen gelegentlich zusammen mit diesen Kräften Qualifizierungen vor. Ich habe die Einstellung für die Mitarbeiter und unsere Klienten: Stillstand ist Rückschritt – Wer aufhört zu lernen, hört auf besser zu sein. Führungskräfte sind gefordert Nachwuchskräfte mit in die Teams einzubauen, wo es geht und so die Arbeitsweisen zu schulen und die Zusammenarbeit mit Vorgehensweisen zu verbessern. Jeder soll bei WE die gleiche (Sicherheits-) Sprache sprechen. Wir schicken unsere Mitarbeiter zeitweise auch zu Kooperationspartnern bzw. lassen diese auch an Weiterbildungen bei der Berufsgenossenschaft teilnehmen.
EBN: Laut Ihrer Werbung betreuen Sie im Personenschutzbereich auch Klienten auf Geschäftsreisen. Erstreckt sich diese Dienstleistung auch auf national übergreifende Aufträge? Wie sind Ihre Erfahrungen mit Sondergenehmigungen bei internationalen Einsätzen
WE: Ja, wie bereits gesagt haben wir durch unsere Niederlassungen in mehreren Ländern bzw. durch die Repräsentanz in VAE die Möglichkeit die Klienten rund um die Uhr zu betreuen. Wir können so von der Wohnung bis zum Geschäftstermin die Kunden begleiten. Da wir international die gleichen Ablaufprozesse haben, könne Team unsere Klienten in Dubai in den Flieger setzen und in Frankfurt oder Wien in Empfang nehmen. Für zahlreiche Vorstände stellt WE zusätzlich die Vorstandsfahrer, die ebenfalls eine Personenschutzqualifizierung besitzen müssen. Innerhalb von Deutschland kann bundesweit z.B. das Personal aufgefrischt werden. Eine genaue Planung und Durchführung der Klientenvorhaben werden zentral koordiniert und überwacht. Es gibt so genannte Reiseteams und Locals mit dem dementsprechenden Regional-Know-How. so maximieren wir den Nutzen und die Effektivität und minimieren auch die Personalkosten für Nachzuführendes Personal.
EBN: Derzeit und in jüngster Vergangenheit kam es generell im Sicherheitsgewerbe im Hinblick auf die Erteilung eines Waffenscheins für Personenschutzaufträge immer wieder zu Problemen. Laut Aussagen vieler Mitglieder erschweren die Ämter Genehmigungen und neigen dazu, trotz ausreichender nachweisbarer Qualifikation und Sachkundigkeit, generell nur noch temporäre Waffenscheine zu genehmigen. Können Sie uns über Ihre speziellen Erfahrungen in diesem Bereich Informationen geben?
WE: Da sprechen Sie einerseits ein leidiges Thema an, wo vielen Mitbewerbern Aufträge entgehen, weil es zu lange dauert, bis die zuständige Behörde die Bedürftigkeit geklärt hat. es gibt einige Waffenscheinhasser in den Polizeiverwaltungen, die es allen sehr schwer machen. Andererseits gefällt mir die erschwerte Praxis, denn ich habe schon zu viele Personenschutzrambos kennen gelernt, die in meinen Augen mit einer Waffe eine Gefahr für das Umfeld darstellen würden. In Österreich ist die Rechtslage da etwas anders. Es ist nicht leicht die Zulassung zum Berufsdetektiven zu bekommen. Wenn diese Genehmigung aber erteilt wurde, dann kann diese Person auch einen Waffenpass beantragen und erhält diesen in aller Regel auch. In Deutschland versuchen einige Sicherheitsdienste Ihre Waffenscheine für GuW dann auch im P-Schutz zu nutzen. dies ist rechtswidrig, aber leider oft geübte Praxis.
EBN: Ein weiterer interessanter Punkt in Ihrem Dienstleistungsspektrum bezieht sich unter dem Menüpunkt Personenschutz auf den Bereich „Kid-Guarding“! Können Sie uns und unseren Usern hierüber weitere Informationen geben, auch unter Berück-sichtigung des allgemeinen Bedarfs in Deutschland hierzu? Welches Personal wird für diesen Bereich gewählt und gibt es Unterschiede zu einer „normalen“ Personenschutzausbildung?
WE: Schauen Sie die Meldungen in den Medien an. Immer häufiger werden Kinder Ziel von Angriffen gegen die sexuelle Selbstbestimmung oder werden gekidnappt. Für diesen Bereich setzen wir speziell geschulte Personal ein, das sowohl pädagogisches als auch Sicherheits-Know-How besitzt. Bei WE machen dies oft Frauen. Sie haben mütterliches Gespür, sind unauffällig bei der Kinderbegleitung und reagieren sensibel auf Störungen. Die Tätigkeit als Kid-Guard ist sehr beliebt bei Klienten aus dem arabischen und südländischen Raum, wo der Sohn als Familienerbe gesehen wird und besonders schützenswert ist. In Europa sind die anfragen derzeit noch sehr beschränkt und beginnen meist erst dann, wenn es nicht mehr unsere Aufgabe sondern die der Polizei sein sollte. Ich bin mir sicher, dass der Bedarf in Europa in den nächsten Jahre rapide steigen wird.
EBN: Personenschutz ist generell ein höchst sensibler Bereich. Ist es im Rahmen Ihrer bisher durchgeführten Aufträge schon zu Zwischenfällen gekommen?
WE: Ja. Wenn dies von der Folgewirkung zwar lächerlich war, so habe ich mit einem Übergriff auf einen Klienten sehr viel gelernt. Information und Wissen um und über den Klienten sind extrem wichtig. Ich habe auf einem Konzert die Aufgabe zum Künstlerschutz gehabt und musste den Sänger „Dieter Thomas Kuhn“ während seiner Auftritte durch die Menge begleiten. Plötzlich griff eine weibliche Hand aus dem Menschenpulk dem Sänger an die Brust und entriss ihm ein Bündel Haare. Ich wollte eingreifen, aber da hielt mich der Star zurück. Er trug, mir nicht bekannt, aufgeklebte Brusthaare und diese „Behandlung“ war üblich und gewollt. Bei einem anderen Auftritt eines Weltstars stürzte die Sängerin von der Bühne. Dies ist in der Wirkung nicht eklatant, aber für mich waren dies einschneidende Erlebisse. anders waren die Eindrücke während meiner aktiven Beamtentätigkeit, da musste ich leider mehrfach Schwerverletzte und Tote sehen.
EBN: Diese bisher erhaltenen Infos hören sich sehr interessant an. Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung des Personenschutzsektors in Deutschland und international ein?
WE: Die Perversion des menschlichen Hirns und die steigende Gewaltbereitschaft, inzwischen auch bereits mit Selbstmordattentätern (Madrid), nimmt immer mehr zu. Das subjektive Schutzbedürfnis steigt ebenfalls. Der gesamte Sicherheitsmarkt ist im Wandel. weg von Preisdumpern – hin zu Qualität. Der Bedarf wird weiter steigen. Behörden werden bestimmte Aufgaben abgeben oder Unterstützung von „Privaten“ buchen, da die öffentlichen Säckel leerer werden. International boomt der Markt und der Bedarf an qualifiziertem Personal. Besonders für Frauen wird es in diesem Sektor viele Nachfragen geben.
EBN: Was würden Sie unter Berücksichtigung der Ausbildung sowie späterer „Verwendungsmöglichkeiten“ als erfahrener CEO Menschen raten, die den Job eines Personenschützers erlernen und ausüben wollen?
WE: Schaut Euch Bodyguard mit Withney Youston und Kevin Kostner als Spielfilm an und träumt nicht von solchen Einsätzen. Nur wer weiterhin den Zusammenhang mit der Basis im Sicherheitsgewerbe kennt wird gut sein. Die Aufträge sind sehr begrenzt und nicht jeder kann nach einer Ausbildung sofort in diesem Bereich tätig werden. Man sollte froh sein als zusätzliches Rad in einem Team mitlaufen und lernen zu dürfen, ehe man einem P-Schutz Team fest angehören darf. die meisten als P-Schutz Auftrag bezeichneten Job sind „nur“ im Bereich V.I.P.-Schutz angesiedelt, aber wertvoll für die persönliche Erfahrung. Man kann nicht durch einen einzigen Wochenlehrgang oder einem Kurzseminar Personenschützer werden. Dies wird man erst im Laufe von vielen Jahren, wo stetiges Lernen angesagt ist.
EBN: Abschließend würden wir gern noch Ihre Meinung sowie konstruktive Kritik zu einer Online-Personenschutzplattform wie dem EBN hören.
WE: Eine zentrale Anlaufstelle für Interessierte, Unternehmen und Klienten halte ich für sehr wichtig. Der Einbau eines Informationsforums zum Meinungsaustausch würde diese Plattform noch bereichern. EBN ist eine führende Quelle für Anbieter und Schulen sowie möglichen Klienten.
EBN: Wir danken Ihnen, dass Sie uns einen Einblick in den Bereich eines Personenschutzdienstleisters sowie speziell in Ihr Unternehmen gewährt haben und wünschen Ihnen und Ihrem Unternehmen weiterhin viel Erfolg.
WE: Ich danke, dass ich Ihnen Fragen beantworten durfte. Ich freue mich immer wieder, wenn sich Menschen für unser Berufsbild interessieren. Ich werde auch weiterhin EBN als eine führende Plattform im Bereich Personenschutz empfehlen, denn ich bin von der Qualität und den Inhalten immer wieder sehr begeistert.
last Update:13.12.2006
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